Almanach 04 · Juni 2026

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Wandern · Frühsommer

Vier Frühsommer-Routen im westdeutschen Mittelgebirge

Vier konkrete Wander-Etappen mit Kilometer-Angaben und Markierungs-System — vom Eifelverein-Ahrsteig bis zum Schwarzwaldverein-Wanderweg.

Der Frühsommer ist in den westdeutschen Mittelgebirgen die wohl dankbarste Wander-Zeit: die Buchen tragen das frische, noch hellgrüne Blattwerk, die Tagestemperaturen liegen meist zwischen 16 und 22 Grad, und die Vegetation am Wegrand ist auf dem Höhepunkt. Wir stellen vier Etappen vor, die sich jeweils an einem Tag mit normalem Tempo abwandern lassen und die das Spektrum der westdeutschen Wander-Verbände abbilden — vom Eifelverein bis zum Schwarzwaldverein.

Eifelverein-Ahrsteig: Etappe Blankenheim–Schmidtheim

Die rund 14 Kilometer lange Strecke folgt der gelben „E”-Markierung des Eifelvereins und sammelt etwa 320 Höhenmeter im Anstieg. Sie führt überwiegend durch einen Wald-Buchen-Mischbestand mit eingestreuter Hainbuche und Berg-Ahorn; die Bestandes-Höhe schwankt zwischen 22 und 28 Metern. Bemerkenswert sind die Quell-Mulden in den ersten vier Kilometern hinter Blankenheim, in denen ab Anfang Juni das Echte Mädesüß die Bach-Säume markiert. Wer früh startet, hört auf dem mittleren Abschnitt regelmäßig den Schwarzspecht — die alten Buchen östlich der Wasserscheide bieten genug Höhlen-Substrat.

SGV-Rothaarsteig: Sauerland-Abschnitt um Kahler Asten

Der Sauerländische Gebirgsverein markiert seinen Rothaarsteig mit dem weißen liegenden „X”. Der hier empfohlene Abschnitt umfasst etwa 16 Kilometer und bewegt sich in einer Höhenlage zwischen 600 und 840 Metern. Damit liegt die Etappe deutlich höher als die Eifel-Strecke; die Vegetation tickt entsprechend zwei bis drei Wochen versetzt, und im Frühsommer steht die Fichten-Verjüngung am Wegrand noch flächig in der Phase der Mai-Triebe. Im Bereich der Kalamitäts-Flächen — gut sichtbar als gelichtete Bestände mit Lärchen- und Eichen-Voranbau — ist die Markierung in den vergangenen Jahren mehrfach neu gezogen worden; aktuelle Karte ist Pflicht.

Pfälzerwald-Verein-Hauptweg

Der etwa 18 Kilometer lange Abschnitt im nördlichen Pfälzerwald folgt der blauen „Y”-Markierung des Pfälzerwald-Vereins und ist die geologisch interessanteste Etappe in dieser Auswahl. Der Buntsandstein prägt nicht nur die Felsformationen — Wand-Stufen von acht bis zwölf Metern queren den Weg an mehreren Stellen — sondern auch die Boden-Eigenschaften: sauer, sandig, trocken. Entsprechend dominieren Trauben-Eiche, Wald-Kiefer und stellenweise Edel-Kastanie. Wer auf Holz-Strukturen achtet, sieht in den älteren Eichen-Beständen die typischen Mittelspecht-Höhlen.

Schwarzwaldverein-Wanderweg im Mittleren Schwarzwald

Die rote Raute des Schwarzwaldvereins führt auf der hier vorgeschlagenen Etappe rund 13 Kilometer durch einen klassischen Tannen-/Fichten-Mischbestand mit zunehmendem Buchen-Anteil in den Hang-Lagen. Höhenmeter im Anstieg: knapp 280. Die Weißtanne — auf den ersten Blick leicht mit der Fichte zu verwechseln — erkennt man an den flachen, beidseitig hellgrau gestreiften Nadeln und der aufrechten, sich am Baum zersetzenden Zapfen-Stellung. Im Frühsommer 2026 ist der Bestand strecken-weise lichter als vor zehn Jahren; die Borkenkäfer-Folgen sind im Wegrand-Bild präsent.

Praktische Hinweise

  • Karten-Material der jeweiligen Verbände (Eifelverein, SGV, Pfälzerwald-Verein, Schwarzwaldverein) ist aktueller als Allgemein-Wanderkarten — gerade auf Umleitungen wegen Holz-Einschlag.
  • Wasser auf allen vier Strecken: keine sichere Trink-Quelle. Mindestens 1,5 Liter pro Person mitführen.
  • Markierungs-Lücken durch Forst-Arbeiten kommen vor; Kompass oder GPS-Track empfohlen.

Vier Verbände, vier Mittelgebirgs-Charaktere — und vier sehr verschiedene Antworten auf die Frage, was Frühsommer im Wald eigentlich bedeutet.

Die nächsten Etappen-Vorschläge folgen Mitte Juli — dann mit Fokus auf den Hochsommer-Wald.


Ressort: Wandern